USA / Mexiko 1998
... 4444 Meilen Wilder Westen ...
                 (Sibylle Rode und Heiko Otto)
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Vielfältig, spektakulär, bizarr, faszinierend, grandios, ... diese und noch viele ähnliche Attribute verdienen die Nationalparks der Vereinigten Staaten von Amerika. In nur 22 Tagen wollten wir versuchen, gleich elf der im Südwesten der USA gelegenen Nationalparks und eine Reihe kleinerer, Oakdale / Kalifornien jedoch nicht minder sehenswerter Staatsparks und Monumente zu besuchen. Fürwahr ein hochgestecktes Ziel, zumal die Entfernungen zwischen den einzelnen Parks und nicht zuletzt deren Größe mitunter beachtlich sind. Realisieren ließ sich ein solches Vorhaben nur mit einem straffen Zeitplan, einem flinken Mietauto und viel Selbstdisziplin. So musste täglich noch lange vor Sonnenaufgang das Zelt abgebaut und das Frühstück eingenommen sein, und erst spät am Abend, nach einem anstrengenden und ereignisreichen Tag, hieß es nach einem neuen Rastplatz Ausschau halten ...

Ausgangspunkt unserer Tour war San Francisco, die Multikulti-Stadt am "Golden Gate". Von hier ging es straff in Richtung Osten, vorbei an der historischen Westernstadt Columbia, hinein in die Bergwelt der Sierra Nevada. Am Eingang zum "Yosemite Nationalpark" Unser erstes großes Ziel war der "Yosemite-Nationalpark" - wohl einer der schönsten Naturparks überhaupt. Bei Wanderungen zu den himmelhohen Mammutbäumen (Giant Sequoias) in der "Tuolumne Groove", zum tosenden "Yosemite-Wasserfall", dem malerischen "Spiegelsee" und zum "North Dome" mit seiner atemberaubenden Aussicht auf das steil aufragende Wahrzeichen des Parks - den gigantischen "Half Dome" - wurden aus den zwei für diesen Park veranschlagten Tagen schnell drei. Höchste Zeit, weiterzuziehen ! Während unserer Abwesenheit hatten sich Bären an einigen der geparkten Autos zu schaffen gemacht. Das Ergebnis sah ziemlich übel aus, doch zum Glück war unser roter Flitzer verschont geblieben. Durch eine ausnehmend schöne Berglandschaft gelangten wir zum "Mono Lake", Blick ins "Yosemite Valley" einem See voller bizarrer Salzkristalle und kurz darauf nach Bodie, einer "konservierten", einstmals sehr berüchtigten Goldgräberstadt. Alles ist hier so erhalten geblieben, wie es vor vielen Jahrzehnten von seinen Eigentümern zurückgelassen wurde: Holzhäuser und windschiefe Schuppen, alte eingestaubte Möbel, Fahrzeuge und verschiedenste Gerätschaften.

Die herrlichen Wälder des Westhangs der Sierra lagen nun endgültig hinter uns. Durch weite, nur von dürrem stachligem Gesträuch bewachsene Hochtäler führte unsere Route weiter in Richtung "Death Valley". Eine Hinweistafel veranlasste uns trotz aller gebotenen Eile zu einem kleinen Umweg und einer kurzen Wanderung durch einen wie verwunschen wirkenden "Wald" steinalter, mehr tot als lebendig erscheinender Bristlecone-Pinien. Dreitausend Jahre und älter sind viele der knorrigen, "Delicate Arch" im "Arches Nationalpark" von Wind und Wetter geformten Bäume - und das sieht man ihnen auch an !

Mit einem vollen Tag Verspätung erreichten wir Stunden später den Rand des "Death Valley" - gerade rechtzeitig um die fantastische Aussicht auf das berüchtigte Tal im besten Licht der untergehenden Sonne genießen zu können. Mit Anbruch der Dämmerung begannen wir die schier endlose Abfahrt hinab zur Talsohle. Ausgerüstet mit drei Gallonen Wasser wollten wir es zwei Tage in diesem Glutofen Nordamerikas aushalten. Auf dem Programm standen unter anderem eine Wanderung durch den farbenprächtigen Marmor-Canyon, die Durchquerung der großen Sanddünen, eine Tour auf dem "20-Mules-Drive" hinauf zum alles überragenden "Dantes View" und - selbstverständlich - ein Abstecher nach "Bad Water" - Im "Monument Valley" dem mit 84 m unter Normal Null tiefsten Punkt des amerikanischen Kontinents. Beeindruckt von der Schönheit dieses so lebensfeindlichen Tals setzten wir unsere Tour schließlich fort, überquerten die Grenze zum Bundesstaat Nevada und folgten den Wegweisern in Richtung Las Vegas. Auf halber Strecke bot der "Red Rock Canyon" mit seinen farbigen Felsen und den hier lebenden wilden Eseln eine willkommene Gelegenheit für einen Zwischenstopp und eine kurze Wanderung durch eine liebliche Landschaft. Vor uns lagen viele Kilometer Ödland.

Las Vegas, schillernde Metropole in der Wüste - wie betäubt schlenderten wir durch diese farbensprühende, lärmende, extrem verschwenderische Stadt des Showbiz und der Spielhöllen. Was für ein Unterschied zu den letzten Tagen ! Am "Grand Canyon" Inmitten einer knochentrocknen Landschaft locken zahllose Spielcasinos mit futuristischer oder märchenhafter Architektur, aufwendigen Shows und illuminierten Wasserfontänen Spieler an die Roulett-, Poker- und Würfeltische. Tausende von Flipper- und Spielautomaten warten darauf, dass Zocker einen "Coin" einwerfen - und in den meisten Fällen verlieren. Fasziniert beobachteten wir das Treiben in diesen Tempeln des Geldes und der Spielsucht ohne derselben anheim zu fallen - zumindest nicht in der Form, die uns zu Bettlern hätte machen können. Erst spät in der Nacht konnten wir uns von all dem Glitzer und Glimmer losreißen und unsere Tour Richtung Osten fortsetzen.

Bis in den Mormonenstaat Utah war es nur noch ein Katzensprung und die Highlights unserer Tour folgten nun dicht an dicht: "Delicate Arch" im "Arches Nationalpark" der majestätische "Zion Nationalpark", die "Cedar Breaks", der zauberhafte "Bryce Canyon" und der gewaltige "Capitol Reef Nationalpark" - alle zeichnen sie sich durch farbenprächtige oder grotesk geformte Felsformationen aus, natürliche Felsbrücken, steil aufragende Felswände und an Kleckerburgen erinnernde Felstürme, manche kahl, andere bewaldet. Der vom Colorado River durchflutete "Glen Canyon" bot ein wahres Feuerwerk der Farben: im gleißenden Sonnenlicht rot, braun und gelb leuchtende Felswände, zwischen denen das türkisblaue Wasser des Stromes träge dahinfließt. Ein stahlblauer Himmel rundete das Bild aufs Feinste ab. In bester Stimmung erreichten wir den für mich wohl beeindruckendsten Naturpark dieser Tour - den "Arches Nationalpark" unweit des Städtchens Moab. Hier könnte man leicht den Eindruck gewinnen, natürliche Felsbrücken seien das Normalste der Welt. Im "Monument Valley" Es gibt gleich Dutzende davon zu bewundern: hoch aufragende Bögen, extrem lange Brücken (u.a. die mit 93 m Spannweite längste natürliche Felsbrücke der Erde), in Reihen oder winklig zueinander stehende Arkaden, bizarre Tore und Fenster im massiven Fels, und als Krönung der weltberühmte "Delicate Arch" - ein gigantischer freistehender Felsbogen vor einer wunderschönen Kulisse. Dazwischen findet man absonderliche, allen Gesetzen der Schwerkraft scheinbar trotzende Felsgebilde, wie den "Balanced Rock" - einen gewaltigen, auf einer Felsnadel stehenden Stein.

Für eine Wildwasserfahrt mit dem Schlauchboot durch die Schluchten des Colorado opferten wir einen weiteren Tag unseres eh schon arg strapazierten Zeitplanes. Notgedrungen mussten nun ein paar kleinere Ziele der verbleibenden Strecke gestrichen werden. Am "Grand Canyon" Die "Mesa Verde" - den östlichen Wendepunkt unserer Reise - wollten wir aber unbedingt noch erreichen. Kleine aus Stein erbaute Pueblo-Indianerstädte schmiegen sich hier geschützt von Überhängen an steil aufragende Felswände. Als Gäste der "Mountain Ute", der Ureinwohner dieses Gebiets, erlebten wir hier ein echtes Powwow - ein indianisches Stammesfest - mit. Zum Klang der von alten Kriegern geschlagenen großen Trommeln und dem für die Ohren von Bleichgesichtern wie uns recht monoton klingenden traditionellen Gesängen wurde selbstverständlich getanzt. Doch nicht allein die mit Ledergewändern und Federschmuck feierlich kostümierten Stammesangehörigen führten ihre Kulttänze auf dem Festplatz auf - auch wir wurden aufgefordert, uns in den Reigen der Tänzer einzureihen ...

Die Rückfahrt durch den Bundesstaat Arizona bot nur noch wenige, "Delicate Arch" im "Arches Nationalpark" dafür aber umso namhaftere Ziele: das wohl jedermann aus der Zigarettenwerbung bekannten "Monument Valley" im Reservat der Navajo-Indianer, das "Navajo Monument" und den "Grand Canyon". Nach einem grandiosen Tag im "Monument Valley" hatten wir das große Glück, mit Sondergenehmigung der Navajos unser Zelt inmitten der steil aufragenden Felsplateaus aufbauen zu dürfen. Dies ist keine Selbstverständlichkeit, da Besucher das Gebiet normalerweise nach Sonnenuntergang verlassen müssen. Für eine ausgiebige Besichtigung des gewaltigen Areals des "Grand Canyons" reichte unsere Zeit leider nicht mehr aus, so dass wir uns auf eine Tageswanderung entlang des "West Rim" - eines Pfades hart am südwestlichen Abhang des Canyons - und auf einen Ausritt in Westernmanier beschränken mussten.

Über Phoenix, Im "Monument Valley" der sehenswerten Hauptstadt Arizonas, setzten wir unseren Weg, zuerst nach Süden, dann in Richtung Westen fort. Mit Höchstgeschwindigkeit ging es auf dem schnurgeraden Highway 10 durch die mit riesigen Candelaber-Kakteen bewachsene "Sonora Wüste" zurück nach Kalifornien. Ein Blick auf den Kalender bestätigte, dass wir nun wieder gut im Zeitplan lagen. Zwei Abstecher in den "Joshua Tree Nationalpark" und den "Anza Borrego Statepark" mit ihrer exotischen, oft sehr stacheligen Wüstenflora und -fauna, waren also noch möglich. Ein etwas größerer Umweg in die mexikanische Grenzstadt Tijuana und die landschaftlich wunderschöne Route des Highway 1 entlang der Pazifikküste gen Norden mit Stopps in Hollywood (Los Angeles) und Santa Barbara rundeten diese fantastische Reise ab. Zum Schluss blieb uns sogar noch genug Zeit für eine ausgiebige Besichtigung von San Francisco, dem Ausgangs- und Endpunkt unserer Reise.
  
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Kommentar USA / Kanada 2000
  Bericht: Heiko Otto
September 1998  



Am "Grand Canyon"
Im "Monument Valley"
"Delicate Arch" im "Arches Nationalpark"
Am "Grand Canyon"
Unterwegs im "Yosemite Nationalpark"
Blick ins "Yosemite Valley"
Unterwegs im "Yosemite Nationalpark"
Tunnel durch den Stamm eines alten Mammutbaumes
Am Eingang zum "Yosemite Nationalpark"
Oakdale / Kalifornien
Rodeo in Oakdale / Kalifornien
Rodeo in Oakdale / Kalifornien
© 1998 by Heiko Otto  •  OSE Gera / Erfurt