Süd-Afrika 2002
... Nashornjagd im Matobo Nationalpark ...
                      (Thomas Wehrsdorfer und Heiko Otto)
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Seit Stunden sind wir auf der Pirsch, kreuz und quer durch die herrliche Landschaft des Matobo Nationalparks im Südwesten Simbabwes, Willkommen im südlichen Afrika immer auf der Suche nach einer der seltensten und beeindruckendsten Tierarten Afrikas - nach Nashörnern.

Eine weite Strecke liegt hinter uns: Beginnend von Johannesburg in Südafrika ging die Reise quer durch Botswana, durch die schier endlose Buschsavanne am Rande der Kalahari, hinauf ins Grenzgebiet von Namibia und Sambia, entlang des Chobe River und des Sambesi bis nach Simbabwe. Ein kleiner Teil der "Victoria-Fälle" Selbstverständlich durfte ein Zwischenstopp an den weltberühmten Wasserfällen des Sambesi, den Victoriafällen, nicht fehlen. Doch unser Hauptziel war, möglichst viel von der fantastischen Tierwelt der afrikanischen Savannen zu sehen und auf Filme zu bannen.

Keine Frage, Tiere haben wir auf dieser Tour schon viele zu Gesicht bekommen - viel mehr als wir zu Beginn der Reise Vier Meter und höher - Termitenhügel sind keine Seltenheit zu hoffen gewagt hatten. Vor allem Elefanten ! Die Gebiete entlang des Chobe sind bekannt für ihre Elefantenbestände, und die tonnenschweren Dickhäuter kann man beim besten Willen nicht übersehen. Selbst in der allernächsten Umgebung von Ortschaften sind wir ihnen begegnet - und das in atemberaubender, teilweise schon beängstigender Nähe. Elefanten können, wie wir mehrfach persönlich feststellen mussten, Ein Elefantenbulle - der wahre König der Savanne recht ungemütlich werden, wenn man - versehentlich oder nicht - ihren Sicherheitsbereich betritt. Die nach vorne geklappten Ohren lassen die grauen Kolosse dann noch imposanter erscheinen. Zieht man sich nicht spätestens jetzt in eine halbwegs sichere Deckung zurück, kann die Situation recht brenzlig werden - insbesondere dann, wenn Jungtiere in der Nähe sind. Doch zum Glück handelt es sich meist nur um Scheinangriffe, mit denen die Dickhäuter zu verstehen geben: "Bis hierher und nicht weiter !"

Auch andere, nicht minder eindrucksvolle Tierarten sind uns in den letzten Tagen vor die Kameras gelaufen - oder geschwommen: Flusspferde, Krokodile und Büffel am Chobe River, Giraffen, Zebras, Antilopen und Affen in den Wäldern entlang des Chobe und des Sambesi, Dorniges Gestrüpp - kein Problem für GiraffenStrauße, Schakale und zahllose kleinere Tiere in der dornigen Savanne. Doch ein Nashorn fehlt uns noch in dieser Sammlung.

Der Matobo ist kein besonders großer Park, besticht aber durch atemberaubende Felsformationen. Aus der brettflachen Savanne ragen unvermittelt Sandsteinpyramiden auf. Eine von zahllosen Steinkugeln im "Matobo Nationalpark" Kugelrunde übereinanderliegende Felsbrocken trotzen scheinbar schwerelos der Gravitation. Farbiger Sandstein bildet glatte, wie abgeschmirgelt wirkende Felsrücken und Plateaus. Kurz, diese Landschaft ist für das südliche Afrika einzigartig; so einmalig, dass der mächtige Sir Cecil Rhodes, Namensgeber des vormaligen Rhodesien (heute Sambia und Simbabwe) hier auf einer der höchsten Erhebungen und umringt von bizarren Sandsteinkugeln sein Grabmal errichten ließ.

Dank der aktuellen politischen Situation liegt der Tourismus in Simbabwe derzeit am Boden. Große Sandsteinkugeln am RhodesgrabDeshalb hat es uns gestern Abend auch nicht allzu sehr gewundert, dass wir laut Eingangsbuch gegenwärtig die einzigen Besucher des Parks sind. Den völlig verlassenen Zeltplatz des Parks mussten wir nach hereinbrechender Dunkelheit regelrecht suchen. Das Motiv der Banknoten von Simbabwe Kein Lichtschimmer wies auf die Anwesenheit auch nur eines anderen Menschen hin.

Im Licht des neuen Tages bestätigte sich unsere Vermutung: Hier gab es nicht einmal mehr Wachpersonal. Nur die kleine Hütte mit den sanitären Einrichtungen wies darauf hin, dass wir uns wirklich im "Camp" befanden. Kein Zaun - wie in anderen Parks obligatorisch - begrenzte das Lager. Offensichtlich nahm man es hier mit den sonst so strengen Sicherheitsbestimmungen nicht allzu genau.

Die Morgenstunden gehörten der faszinierenden Landschaft. Staunend bewunderten wir die eigenwilligsten Steingebilde, besuchten das Rhodesgrab und eine winzige Höhle mit steinzeitlichen Felsmalereien - Steinzeitliche Jagdszene in einer Höhleselbstverständlich immer mit mindestens einem Auge nach Nashörnern spähend. Seit dem frühen Nachmittag haben wir uns nun voll und ganz der Nashornjagd gewidmet. Doch wie schon anfangs erwähnt: Seit Stunden sind wir nun bereits unterwegs, ohne auch nur die Schwanzspitze eines der hier lebenden Nashörner zu Gesicht bekommen zu haben. Giraffen, Zebras, Warzenschweine und Springböcke haben wir entdeckt, Nicht viel größer als ein Hase: ein Damara Dikdikan einem kleinen Tümpel sogar Flusspferde - und jede Menge Affen, aber noch kein einziges Rhinozeros.

Unterwegs treffen wir zwei mit Kalaschnikows bewaffnete Parkwächter. Auf unsere Frage nach den "Rhinos" erhalten wir die wenig erbauliche Antwort, dass es zwar tatsächlich noch einige der Tiere im Park geben soll, die Ranger sie jedoch selbst schon seit Tagen nicht mehr gesehen haben. Verflixt ! Und dabei waren wir extra wegen der angeblich noch relativ großen Population von Nashörnern hierher in den Matobo Nationalpark gekommen.

Impalas - eine Antilopenart - immer bereit zur FluchtEnttäuscht begeben wir uns spät am Nachmittag auf den Rückweg. Doch dann, nur ein paar hundert Meter von unserem letzten Standort entfernt ...

Reglos liegt das Rhinozeros im hohen gelben Gras. Nur die großen beweglichen Ohren zucken hin und wieder in diese oder jene Richtung. Wie ein grauer Stein wirkt der Körper des gewaltigen Tieres - kaum von anderen großen Steinen zu unterscheiden. Kein Wunder, dass wir Stunden brauchten, Ein Zebra auf Nahrungssucheum wenigstens eines dieser raren Tiere zu entdecken. Und nun liegt es vor uns - vielleicht 120 Meter von der schmalen holprigen Piste entfernt, auf der wir gerade zurück zum Ausgang fahren wollten. Durch das Fernglas können wir Einzelheiten erkennen: Es handelt sich eindeutig um ein "Weißes Nashorn" - oder treffender - um ein "Breitmaulnashorn"; ein beachtlich großes Tier, höchstwahrscheinlich ein Bulle. Wir beschließen zu warten, bis er aufsteht. Doch unsere Geduld wird auf eine harte Probe gestellt ...

Familie Pavian bei der KörperpflegeBreitmaulnashörner sind noch seltener als ihre nächsten Verwandten, die etwas kleineren Spitzmaulnashörner. Von Wilderern wegen ihres großen Horns gnadenlos gejagt, ist ihr Bestand in den letzten Jahrzehnten auf wenige hundert Tiere zusammengeschrumpft. Wir können unser Glück kaum fassen, eines dieser wenigen Tiere so dicht vor uns zu sehen.

Eine Stunde später. Längst steht die Kamera auf dem Stativ, das Rhinozeros im Fokus, Belichtung und Brennweite optimal justiert. Ein Warzenschwein in seiner Erdhöhle Noch immer starren wir voller Spannung auf das dösende Tier. Irgendwann muss es sich doch mal rühren ! Aber abgesehen von den Ohren regt sich nichts. Die Zeit verrinnt, und wir beginnen zu befürchten, dass der Koloss erst nach Sonnenuntergang aktiv wird. Dann plötzlich - schneller als wir es bei einem solch massigen Tier erwartet hatten - steht der Bulle, uns das Hinterteil zuwendend und die Ohren auf ein Gebüsch am jenseitigen Ende des Talkessels richtend. Extrem selten: ein Breitmaulnashorn Wieder vergeht eine kleine Ewigkeit, ohne dass etwas passiert. Schließlich legt sich das Tier behäbig zurück ins Gras, ohne uns auch nur eines kurzen Blickes gewürdigt zu haben. Und wieder macht sich ein Fünkchen Enttäuschung breit. Doch wir verlieren die Hoffnung nicht und warten weiter. Abermals wird das Nashorn unruhig, und diesmal sehen wir auch den Grund: Die beiden Ranger kauern, begleitet von einer dritten Person, im hohen Savannengras. Ganz langsam versuchen sie sich dem Tier zu nähern. Sofort erhebt sich das Rhinozeros wieder, Ohren und Horn auf die Ranger gerichtet. Unbeeindruckt davon nähern sich die drei langsam aber stetig weiter. Ganz langsam ein Stück näher ... Das Nashorn verfolgt jede Bewegung der Störenfriede und wendet uns nun seine Flanke zu. Die erste gute Gelegenheit für ein paar Aufnahmen ! Doch für eine Nahaufnahme reicht es noch lange nicht. Dafür ist unser Abstand eh viel zu groß. Und die Ranger nähern sich weiter, ohne dass das Nashorn angreift oder flieht. Verflixt, wenn die so nah ran können - warum nicht auch wir. Thomas zeigt wenig Lust, sich allzu weit vom Auto zu entfernen. Ich halte es nicht mehr aus, schnappe die Kamera und schleiche, jede Deckung nutzend, näher an das Tier heran. Noch 80 Meter. Das Nashorn blickt unbeirrt in Richtung der Ranger ... 60 Meter ... 50 ... 40 ... eines der Ohren dreht sich in meine Richtung. ... und noch ein Stück ...Ich warte bis sich die Aufmerksamkeit des Tieres wieder auf die anderen Personen richtet. Noch 35 Meter. Das Nashorn wird nervös und richtet zum erstenmal den Kopf in meine Richtung. Ich verharre bewegungslos, mit angehaltenem Atem. Noch hocke ich inmitten des hohen Grases, das mir die Sicht teilweise verdeckt. Nur noch drei Meter, dann hätte ich freie Sicht ! Wieder wendet sich der Koloss den Rangern zu. Noch näher heran geht es beim besten Willen nicht ! Ich krieche weiter, Zentimeter um Zentimeter. Noch ein kleines Stück - dann endlich kann ich die letzten Halme vorsichtig zur Seite schieben. Einer der Parkwächter winkt mir zu, nicht weiter zu gehen - doch das habe ich wahrlich nicht vor. Knapp 30 Meter vor mir steht das größte Nashorn, das ich je gesehen habe (und das einzige, dem ich bisher in freier Wildbahn unmittelbar gegenüber stand). Vor Aufregung schlägt mein Herz wie wild. Doch der Bulle erweckt noch immer nicht den Anschein gleich Angreifen zu wollen. Klack - ich schieße das erste Bild. Fürchterlich laut klingt der Auslöser in meinen Ohren. Das Nashorn reagiert sofort und richtet sein großes Horn auf mich. Einen Fluchtplan habe ich mir natürlich schon lange zurechtgelegt. Doch augenblicklich habe ich noch keine Veranlassung für einen übereilten Rückzug. Klick und surrrrrrr ... Oh nein ! Nach gerademal drei Aufnahmen ist der Film voll - und der neue liegt im Auto ! Mit meiner Dummheit hadernd krieche ich zurück, vorsichtig, Und wieder auf Tour ... Meter für Meter, den ganzen Weg, bis ich es riskieren kann aufzustehen. Bewaffnet mit einem leeren Film und dem Stativ gelingt es mir beim zweiten Mal schneller und besser in meine alte Deckung zurückzukehren ...

Nach Sonnenuntergang verlassen wir den "Matobo Nationalpark", hoch zufrieden und mit einer Vielzahl fantastischer Fotos im Gepäck. Noch ist unsere Reise nicht beendet; noch fehlen uns ein paar Aufnahmen von den großen Raubkatzen Afrikas. Gespannt, was wir bald im weltberühmten "Kruger Nationalpark" zu sehen bekommen, fahren wir weiter - Richtung Süden ...

Bericht: Heiko Otto
Juli 2002       

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